Herbstliches Segelepos im arktischen Paradies: Der Sullorsuaq-Sund im September
Der Sullorsuaq-Sund – in Europa besser bekannt unter seinem traditionellen dänischen Namen Vaigat – zählt zu den landschaftlich dramatischsten und faszinierendsten Wasserwegen der gesamten Arktis. Die gewaltige Meerenge im Westen Grönlands trennt die gebirgige Diskoinsel von der geologisch einzigartigen Nuussuaq-Halbinsel. Wer diesen ungezähmten Sund im September vom Meer aus bereist, fängt eine magische Übergangszeit ein: Der arktische Herbst zieht mit aller Kraft ein und überzieht die eisfreien Hänge der über 1.500 Meter aufragenden Bergketten mit einem feurigen Teppich aus leuchtendem Rot, Ocker und Gold. Während auf den Gipfeln bereits der feine Neuschnee des kommenden Winters funkelt, präsentiert sich das Meer im September oft erstaunlich ruhig. Die tief stehende Sonne taucht die majestätisch dahintreibenden Eisberge für Stunden in ein spektakuläres, goldenes Licht, das Fotografen und Naturliebhaber gleichermaßen verzaubert.
Die Geschichte des Sunds ist eng mit dem Seeweg verwoben und lässt sich vom Deck eines Schiffes aus hautnah nachvollziehen. Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Passage von holländischen Walfängern „Waygat“ getauft, was so viel wie „Öffnung, durch die der Wind weht“ bedeutet. Jahrhundertelang war der Sund für die Inuit-Kulturen der Thule und Saqqaq eine unverzichtbare Lebensader für die Jagd. Vom Wasser aus steuern Expeditionsschiffe geschichtsträchtige Landmarken an, die auf dem Landweg unerreichbar sind. Ein zutiefst berührender Stopp ist die verlassene Minensiedlung Qullissat auf der Diskoinsel. Einst eine der größten und modernsten Kohlebergbaustädte Grönlands, wurde sie 1972 schlagartig stillgelegt. Wer heute im September an den verwitterten Holzhäusern anlegt, spürt die melancholische Einsamkeit einer arktischen Geisterstadt, die langsam von der herbstlichen Tundra zurückerobert wird. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sunds zeugt das farbenfrohe Ufer der Siedlung Saqqaq von lebendiger grönländischer Kultur.
Für maritime Tiererlebnisse ist der September auf dem Sullorsuaq-Sund die absolute Spitzenzeit. Bevor sich im späten Herbst die ersten neuen Eisschichten bilden, nutzen zahlreiche Meeressäuger den nährstoffreichen Sund als geschützten Korridor und Futterplatz. Vom Boot aus bieten sich atemberaubende Begegnungen mit Buckelwalen, Finnwalen und Zwergwalen, deren mächtige Atemfontänen weithin vor den dunklen Basaltfelsen widerhallen, wenn sie elegant die Wasseroberfläche durchbrechen. Auch neugierige Ringel- und Sattelrobben tauchen immer wieder in der Nähe der Schiffe auf. Mit einem wachsamen Blick Richtung Küste lassen sich an den bunt gefärbten Hängen zudem die massiven, urzeitlichen Moschusochsen erspähen, die im Herbst auf der Suche nach Nahrung bis an die Uferzonen herabsteigen. KI
Ein Bootsabenteuer im September ist somit eine Reise der absoluten Stille und der extremen Kontraste. Das lautlose Navigieren vorbei an monumentalen Eisskulpturen, die in intensivem Kobaltblau und Türkis schimmern, ist ein unvergessliches Erlebnis. Da der September das Ende der Mitternachtssonne markiert, kehrt die Dunkelheit zurück, was den ultimativen Vorteil dieser Reisezeit bereithält: Nach einem klaren Tag auf See bietet sich vom pechschwarzen Deck des Schiffes – fernab jeder künstlichen Lichtverschmutzung – die allererste Chance der Saison, das magische Nordlicht über den Bergen des Vaigats tanzen zu sehen. KI
1 Reise nach Sullorsuaq-Sund
Lage
Sullorsuaq Strait, Grönland
