Runde
Die sagenumwobene Insel Runde, gelegen an der rauen Westküste Norwegens in der Region Sunnmøre, gilt als eines der faszinierendsten Naturparadiese Nordeuropas. Mit einer Fläche von gerade einmal gut sechs Quadratkilometern und kaum mehr als 100 ständigen Einwohnern verwandelt sich das kleine Eiland jedes Jahr zur Brutsaison in ein spektakuläres Naturschauspiel. Aus landschaftlicher Sicht besticht Runde durch seine dramatischen Kontraste: Während sich an der sanfteren Ostseite das idyllische Fischerdorf Goksøyr an die Hänge schmiegt, bricht die ungezähmte Westseite in spektakulären, über 300 Meter hohen Steilklippen senkrecht in den Atlantischen Ozean ab. Das Inselinnere ist von welligen, grasbewachsenen Hochplateaus und Bergseen geprägt, die über gut markierte Wanderwege erschlossen sind und atemberaubende Panoramaausblicke über das offene Meer und die umliegende Inselwelt bieten.
Diese imposanten Klippen formen das drittgrößte Seevogelgebiet Norwegens und machen Runde zu einem erstklassigen touristischen Reiseziel für Ornithologen und Naturliebhaber. Zwischen April und August erobern weit über 100.000 Seevögel die Insel. Das unangefochtene Highlight sind die charmanten Papageientaucher, die am berühmten Aussichtspunkt Lundeura nisten und vor allem in den Abendstunden aus nächster Nähe beobachtet werden können. Neben den bunten Atlantikvögeln beherbergen die Felsen riesige Kolonien von Basstölpeln, Dreizehenmöwen und Trottellummen, während majestätische Seeadler am Himmel ihre Kreise ziehen. Besucher können dieses Spektakel entweder bei einer moderaten Klippenwanderung erleben oder die Tierwelt im Rahmen geführter Bootstouren von der Seeseite aus bewundern. Moderne Einblicke in das Ökosystem liefert zudem das Runde Umweltschutzzentrum.
Aus geschichtlicher Perspektive ist Runde untrennbar mit der Seefahrt und zwei besonderen Denkmälern verbunden. Zum einen trotzt der historische Leuchtturm Runde Fyr seit 1767 den herbstlichen Stürmen an der Nordwestspitze. Zum anderen erlangte die Insel weltweiten Ruhm als „Schatzinsel“. Im Jahr 1725 zerschellte das holländische Handelsschiff Akerendam in einer Sturmnacht vor den Klippen. Als Taucher 1972 das Wrack entdeckten, bargen sie einen der größten Münzschätze Europas – rund 500 Kilogramm Gold- und Silbermünzen, von denen Teile heute im ligenden Besucherzentrum ausgestellt sind. Dank der modernen Brückenanbindungen zum Festland ist Runde heute mühelos erreichbar und verbindet wilde Wildnis perfekt mit historischer Mystik. KI
Lage
Runde, Norwegen
